Kunibert, Burggraf von Nippes, soll einer schalkhaften Laune des Schicksals gemäß am 11. im 11. des Jahres 1111 geboren worden sein.Die feste Burg seiner trinkfesteren Ahnen erhob sich jenseits des römischen Nordtors; mit dieser war ein geräumiger Gutshof verbunden und eine Schankstätte für vorbeiziehende Kaufleute und Wanderer. Der Burggraf führte dort guten Wein, von dem ganz besonders die Kölner mit Vorliebe nippten, weswegen man das Anwesen Nippeshaufen nannte, oder in köscher Mundart kurz Nippes.

Kunibert, dem schon früh die Behandlung und Erziehung der Weine oblag, war gar bald als fachkundiger Verehrer des edlen Rebensaftes bekannt und unter den Kölnern beliebt. Als junger Mensch, von einer Art faustischem Drange beseelt, suchte er die Zusammenhänge in der Welt auf Ursache und Wirkung zu erforschen und sein Scharfblick, mit dem er oft hinter die Kulissen des Weltgeschehens sah, verlieh ihm eine gar schalkhaft spöttelnde Ironie. Seine zahlreichen Abenteuer sollen das damamlige Köln in Atem und seine kühnen Taten die Zeitgenossen in Spannung gehalten haben.

 

In späteren Jahren huldigte der schon betagte Graf frohen Zechgelagen am Ufer des Rheins. Wie sehr der Wein das Leder gerbt und den Organismus konserviert, hat die lange Lebensdauer eines robusten Mannes von faszinierender Grobzügigkeit bewiesen. Hochbetagt im Alter von 123 Jahren , schuf er nördlich von St. Martin, wo er fast ein ganzes Menschenleben gezecht hatte, ein steinernes Haus mit geräumigen Kellern: Das zukünfige Gasthaus.

Noch zu Lebzeiten schuf Kunibert einen Kreis unter seinen Freunden und Zechgenossen, die ihres Zeichens dem Metzger- und Bäckerstandes angehörten. Wegen der Fettleibigkeit der Mitglieder, die durch diesen Umstand wie Fleischklösse wirkten, nannte kölnischer Mutterwitz ihn den Frikadellenklub.

 

Unter den Mitgliedern befand sich auch ein alter Seefahrer mit Namen Hannes. Viele Jahre seines Lebens hatte dieser wetterfeste Mann in der Südsee unter den Eingeborenen gelebt, weswegen man ihm den Beinamen "der Kannibale" gegeben hatte. Als dieser alte Seebär damals zum erstenmal die Weinstube betrat, glaubten die erstaunten Gäste und Mitglieder des Frikadellenklubs, den leibhaftigen Kunibert vor sich zu sehen; nicht allein, weil er dem Schutzpatron auf ein Haar gleichen sollte, sondern auch, weil er einer großer Weinliebhaber war und sich ohne Zögern in die Mitgliederliste eintragen ließ. So wurde er auch der spätere Inhaber der Kneipe bis zu seinem Tod.

Die alte, kleine Weinschenke, aber erfreute sich weiter einer allgemeinen Beliebtheit. Wie viele originelle Menschen haben dort schon in den ersten Tagen ihres Bestehens als Gast geweilt. Die Weinstube war die Heimstätte der Kölner Boheme, der Künstler, Studenten und Intellektuellen.

So wurde aus dem Gasthof Hemerbach, "Zum goldenen Löwen", "In den drei Römern", dann deas Weinhaus "Zum großen Schoppen", "Im Hessenland" und dann seit 1879 "Kunibert der Fiese".